Ergotherapie: Heilung durch ganzheitliche Körperarbeit

Ergotherapie - Heilung durch ganheitliche KörpertherapieDie Ergotherapie fördert die Handlungsfähigkeit kranker oder verletzter Personen (1). Dabei verfolgen ergotherapeutische Maßnahmen einen ganzheitlichen Ansatz. Dies bedeutet, dass nicht nur die Motorik gefördert, sondern dass das gesamte menschliche System einbezogen wird.

Im Rahmen der Rehabilitation gehört die Ergotherapie – neben der Physiotherapie und der Logopädie – zu den wichtigsten Heilmitteln.

Neben einer gezielten Förderung von Aufmerksamkeit, Wahrnehmung und Bewegung liegt der Fokus auf einer harmonischen Interaktion dieser einzelnen Aspekte. Durch den ganzheitlichen Ansatz kann der Leidensdruck reduziert und physische und psychische Zustände verbessert werden. Neben einer Linderung von Schmerzen kann darüber hinaus eine mögliche Pflegebedürftigkeit hinausgezögert werden. (2)

Der typische Ablauf einer Ergotherapie basiert auf einem Aufnahmegespräch, einer ergotherapeutischen Befunderhebung, einer individuellen Zielformulierung, der Behandlung und einer abschließenden Zielüberprüfung.

Begriffsdefinition und Grundlagen

Ergotherapie – Heilung durch ganzheitliche KörperarbeitDer Begriff Ergotherapie stammt aus dem Griechischen und bedeutet: „Gesundung durch Handeln und Arbeiten.“ Diesbezüglich steht „ergon“ für Aktivität bzw. Tat oder Leistung. (2)

Ergotherapeutische Maßnahmen begleiten und unterstützen Menschen jeden Alters, die in ihrer Handlungsfähigkeit eingeschränkt oder von Einschränkung bedroht sind. (3)

Die Arbeit von Ergotherapeuten basiert auf wissenschaftlichen Grundlagen, die im Rahmen eines Studiums und/ oder einer fundierten Ausbildung vermittelt werden. Ihr facettenreiches Handlungsfeld beherrschen sie dank ihrer – in Theorie und Praxis – erworbenen, breit gefächerten Kenntnisse der Zusammenhänge von Gesundheit. (4)

Die Zielsetzung ergotherapeutischer Anwendungen

Ergotherapie - Heilung durch ganzheitliche KörperarbeitDas übergeordnete Ziel von ergotherapeutischen Behandlungen ist Autonomie bzw. eine größtmögliche Selbstständigkeit. (4)

Betroffene sollen in puncto Selbstversorgung, Produktivität und Freizeit gefördert werden. Beratung, spezifische Aktivitäten und Umweltanpassung dienen dazu, den Personen Handlungsfähigkeit im Alltag, gesellschaftliche Teilhabe und eine Verbesserung der Lebensqualität zu ermöglichen. (3)

Um diese Zielsetzung zu realisieren, entwickeln Ergotherapeuten zusammen mit den Patienten individuelle Lösungen. Dadurch sollen diese ihre Handlungsfähigkeiten erhalten, zurückerlangen oder entwickeln, um wieder Anerkennung und Bestätigung zu erfahren. Diesbezüglich spielen geistige, physiologische, psychische und soziale Aspekte des Einzelnen in seiner Einzigartigkeit eine Rolle. (4)

Der Behandlungsablauf

Ergotherapie - Heilung durch ganzheitliche KörperarbeitZu Beginn einer Ergotherapie erfolgt ein Aufnahmegespräch und ein Assessment (ergotherapeutische Befunderhebung). Anschließend wird der Patient – auf Wunsch auch die Angehörigen – in die Planung der individuellen Therapie einbezogen. Dabei werden Ziele formuliert, das Vorgehen festgelegt und die Art der Behandlung besprochen.

Offene Fragen sollten umfassend und für den Patienten nachvollziehbar erläutert werden. Dabei ist es wichtig, die persönliche Befindlichkeit zu berücksichtigen, sodass sich Betroffene vertrauensvoll aufgehoben fühlen.

Im Rahmen der Evaluation bzw. eines erneuten Assessments prüfen Ergotherapeut und Patient – spätestens am Ende der verordneten Behandlungen -, ob die vereinbarten Ziele realisiert wurden. Dadurch wird ermittelt, ob die Therapie bereits erfolgreich war oder ob noch ein weiterer Bedarf an ergotherapeutischen Maßnahmen besteht, um die angestrebten Verbesserungen zu erreichen. (4)

Einzelmaßnahmen der Ergotherapie – Das individuelle Training

Ergotherapie - Heilung durch ganzheitliche KörperarbeitJe nach Diagnose bzw. Krankheitsbild werden einzelne Maßnahmen individuell zusammengestellt. In diesem Zusammenhang wird zwischen Schlaganfall- und Herzinfarktpatienten sowie Personen mit angeborenen – körperlichen oder geistigen – Schädigen unterschieden. Auch Personen mit orthopädischen, neurologischen oder rheumatischen Erkrankungen sowie Patienten mit Alzheimer, Multipler Sklerose oder Parkinson können ergotherapeutisch behandelt werden. Gleiches gilt für Kinder mit Entwicklungs- und Verhaltensstörungen.

Die Ergotherapie basiert unter anderem auf dem Trainieren von Bewegungsabläufen, Ausdauer, Koordination, Beweglichkeit und Kraft. Dabei liegt der Fokus auf dem Rumpf (Körper ohne Kopf und Gliedmaßen). Dadurch sollen Bewegungseinschränkungen reduziert oder behoben werden.

Ebenfalls zur Ergotherapie gehört das Selbsthilfe-Training wie Körperpflege, Anziehen sowie das Üben von Essen und Trinken. Gleiches gilt für das Trainieren des Alltags wie Einkaufen, Tagesstrukturierung, Kommunikation, Orientieren im Straßenverkehr, Zeitmanagement und Medikamenteneinnahme.

Neben der Schulung von Aufmerksamkeit, Konzentration, Wahrnehmung und des Gedächtnisses, zählt auch das Gehirn-Training – beispielsweise bei Verletzungen – sowie die Schulung von Angehörigen im Umgang mit dem Patienten zu den ergotherapeutischen Maßnahmen. (2)


Quellenverzeichnis

1. Apotheken Umschau: Ergotherapie: Üben für den Alltag, http://www.apotheken-umschau.de/Ergotherapie, abgerufen am 09. März 2017.

2. Deutsche Therapeutenauskunft: Was ist Ergotherapie?, http://www.deutsche-therapeutenauskunft.de/therapeuten/ergotherapie/was-ist-ergotherapie, abgerufen am 09. März 2017.

3. Deutscher Verband der Ergotherapeuten e. V.: Definition Ergotherapie, https://dve.info/ergotherapie/definition, abgerufen am 09. März 2017.

4. Deutscher Verband der Ergotherapeuten e. V.: Infos für Patienten, https://dve.info/ergotherapie/infos-fuer-patienten, abgerufen am 09. März 2017.

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