Fango: Mineralisches Gesteinspulver für Heilzwecke

Fango
Fango auf der Schulter

Als Fango wird ein mineralisches Gesteinsgemisch aus vulkanischer Quelle bezeichnet. Dabei handelt es sich um eine feingemahlene Substanz, die angereichert mit Wasser als so genannter Heilschlamm genutzt werden kann.

In der Peloidtherapie können zwei Arten von Fango (gereifter und anorganischer) zu Heilzwecken genutzt werden. Üblicherweise kommt der zuvor erwärmte Schlamm zum Einsatz und dient dann häufig als Wärmebehandlung.

Die Fangopackung ist eine bekannte Fango-Anwendung, die sowohl im Therapiebereich wie auch im Wellness– und Massagebereich verwendet wird. Durch die relativ lange Wärmespeicherung der Schlammmasse kann das Gewebe intensiv durchblutet werden.

Bekannte Formen von Fango

Peloid
Peloid als Packung auf dem Rücken

Bei dem Peloid Fango werden im therapeutischen Bereich prinzipiell zwei Arten unterschieden. Neben dem organischen (gereiften) Fango mit zusätzlich Mikroorganismen, gibt es auch den anorganischen Fango aus vorwiegend mineralischem Gestein.

Die Zusammensetzung ist bei beiden Formen leicht unterschiedlich, wobei die Anwendungsbereiche meist sehr ähnlich sind. Während der anorganische Fango überwiegend in Deutschland und Teilen von Europa gebräuchlich ist, kommt der organische Fango hauptsächlich aus Italien.

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Organischer Fango

Organischer Fango wird häufig auch gereifter oder italienischer Fango genannt und stammt überwiegend aus einem vulkanischen Gebiet in Italien. Das natürliche Gestein wird meist aus Thermalquellen gewonnen und dann einem Reifungsprozess unterzogen.

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Der organische Fango wird für die Reifung beispielsweise in speziellen Becken gelagert, welche regelmäßig mit Thermalwasser überspült werden. Dabei können sich Algen und Mikroorganismen im Peloid bilden. Nach mindestens 60 Tagen erreicht der Fango die gewünschte „Reife“ und kann genutzt werden.

Anorganischer Fango

Anorganischer Fango weist eine überwiegend mineralische Zusammensetzung auf und besteht meist nur aus dem Fangoschlamm (Tonerde) und Wasser für die gewünschte Konsistenz. Je nach Verarbeitungsort kann er aber auch mit Thermalwasser, Sole, Schwefel und ähnlichem angereichert sein.

Im Gegensatz zum organischen Fango, kann der anorganische nicht wieder verwendet werden. Der Schlamm wird meist jedoch auf umweltgerechte Weise anderweitig genutzt. Der organische Fango kann hingegen zurück in die Reifebecken gegeben und erneut aufbereitet werden.

Fangoquellen in Italien und Deutschland

Schlammbehandlung
Schlammbehandlung auf der Haut

In Europa gibt es diverse Fundort von natürlichem Fango. Diese befinden sich üblicherweise an Gebirgen vulkanischen Ursprungs. Das Peloid wird dann häufig in trockenem Zustand als eine Art Gestein abgebaut, zu einem Pulver weiterverarbeitet und mit den gewünschten Zusätzen versehen.

In Italien ist das Euganeische Becken ein bedeutender Abbauort für natürlichen Fango. Dort befinden sich spezielle Kurorte mit eigenen Fangovorkommen wie etwa Abano, Montegrotto oder Galzignano.

In Deutschland findet sich vulkanischer Fango hingegen im Gebiet des Kaiserstuhls (etwa in Bötzingen) oder am Laacher See an der Vulkaneifel (etwa in Mendig). Im Steierischen Vulkanland in Österreich wird auch Fango abgebaut.

Verwendung

Balneologie
Die Balneologie beschäftigt sich mit Heilwässern

Fango kann in vielen unterschiedlichen Bereichen verwendet werden. Klassischerweise kommt er in der Peloidtherapie (als Teil der Balneologie) zu therapeutischen Zwecken als Heilschlamm zum Einsatz. Dabei wird überwiegend erhitzter Fango für Wärmebehandlungen genutzt.

In der Regel kommt Fangoschlamm mit direktem Hautkontakt in Berührung. Neben der Wärme können so auch die mineralischen oder organischen Inhaltsstoffe ihre Eigenschaften entfalten. Im Zuge der Peloidtherapie kann es etwa bei Entzündungen oder Rheuma zum Einsatz kommen. (1)

Zu den üblichen Behandlungen mit Fango gehören vor allem Fangopackungen mit warmem Schlamm oder Fangokissen mit indirektem Hautkontakt durch in Folie verschlossenen Fango. Die Fangopackung wird mit mindestens drei Zentimeter Dicke aufgetagen und für rund 20 Minuten eingewirkt.

Häufig werden Fangobehandlungen mit gewebelockernden Massagen oder therapeutischen Bädern kombiniert. Bei bestimmten Beschwerden verordnet dann der Arzt der jeweiligen Kureinrichtung die Art und Dauer der Behandlungen.

Unterschied zu anderen Peloiden

Torf
Eine Frau badet in Torf

In der Peloidtherapie werden neben Fango auch viele weitere Heilschlämme genutzt. Ein mit Fango vergleichbares Peloid ist vor allem der Torf (Moor). Auch er wird überwiegend als Wärmeanwendung in Form von Körperpackungen genutzt. Moor ist hingegen sehr reich an organischen Bestandteilen.

Aufgrund der speziellen Zusammensetzung von Moor kann dieser bei noch höheren Temperaturen als Fango auf die Haut gegeben werden. Das bis zu 50 °C warme Peloid fühlt sich auf dem Körper jedoch nicht so heiß an. Zudem kann Moor die Wärme teilweise länger speichern. Fango wird dagegeben bei rund 45 °C aufgetragen.

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Quellenverzeichnis

  1. Volker Schmiedel, Matthias Augustin (2008): Leitfaden Naturheilkunde, 5 Aufl., Urban & Fischer, München, S. 162ff.

MZ

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