Nadis: Energiebahnen der indischen Gesundheitslehre

NadisAls Nadis werden in indischen Gesundheits- und Philosophielehren diverse Energiebahnen im Körper bezeichnet. Demnach können diese Bahnen eine energetische Kraft im Körper transportieren, welche für Lebendigkeit steht.

Die Nadis sind vor allem für den Yoga und den Ayurveda von Bedeutung. Dieser geht davon aus, dass die Lebensenergie Prana von den Chakren (Energiezentren) aufgenommen und an das Nadisystem weitergegeben wird.

Durch diverse Behandlungen wie Massagen, Atemtechniken oder Körperübungen können die Nadis mit Prana stimuliert werden.

Definition und Unterschiede

Die Nadis können als das Meridiansystem des Ayurveda verstanden werden. Sie durchlaufen in mehreren Bahnen den Körper und sind vor allem für den Transport der vitalen Energie Prana zuständig.

Bekannt und von Bedeutung ist das Nadisystem auch im Yoga oder im Tantra. So können die Bahnen bei bestimmten Übungen oder Körperhaltungen stimuliert werden.

Hauptnadis und die Chakren

ChakraDer Ayurveda kennt 14 Hauptnadis, welche hauptsächlich im Zuge einer ayurvedischen Therapie behandelt werden. Sie verlaufen in verschiedenen Richtungen in jeden Bereich des Körpers. Die wichtigsten Nadis entspringen dabei dem Wurzelchakra und verlaufen dabei entlang der Wirbelsäule. (1)

Die Nadis erhalten ihre Energie durch die Chakren, welche bei gesundem Zustand mit der kosmischen Energie in Verbindung stehen können. Doch auch die Atmung kann dem Körper und den Nadis Lebensenergie zuführen.

In Verbindung mit den Chakren bildet das Nadisystem ein sensibles Energienetz, welches bereits bei gestörten Chakren beeinflusst werden kann.

Unterschied zum chinesischen Meridiansystem

Traditionelle Chinesische MedizinDas chinesische Meridiansystem ist dem Nadisystem der indischen Gesundheitslehren nicht gleichzusetzen. Zwar gibt es bei beiden Lehren 14 Hauptenergiebahnen, doch diese haben jeweils unterschiedliche Ursprünge und Verläufe.

Die Meridiane der TCM zeichnen sich vor allem durch Akupunkturpunkte entlang der Energiebahnen aus. Diese können durch Nadelstich oder Druck stimuliert werden. Nadis werden meist nicht so punktuell behandelt.

Bedeutung und Nutzen der Nadis

Energiebahnen im Yoga

YogaDer Yoga befasst sich vor allem mit drei der wichtigen 14 Nadis der indischen Lehre. Sie stehen mit den Hauptchakren in Verbindung und sind für die Praktik des Kundalini Yoga von Bedeutung.

Das wichtigste Nadi Sushumna verläuft vom Wurzelchakra bis zum Kronenchakra und wird von Ida Nadi und Pingala Nadi in sich überkreuzenden Bewegungen begleitet. Wenn diese Bahnen mit Prana gestärkt sind, dann kann dem Yoga zufolge die Kundalini-Energie in den Chakren aufsteigen und diese entfalten.

Die Praxis des Kundalini-Yoga zielt auf die Erweckung dieser Energie ab und kann sich in diversen Aktivitäten des Körpers oder Geistes bemerkbar machen.

Energiebahnen im Ayurveda

AyurvedamassageDie Nadis sind für den Ayurveda von großer Bedeutung, da sie mit den Chakren und den Marmapunkten in Verbindung gebracht werden. Nach indischen Lehren durchlaufen den Körper etwa 72 000 dieser Energiebahnen. (1)

Die Nadis befinden sich nicht nur im materiellen Körper, sondern auch in der Aura und dem Energiekörper.

Beförderung von Prana

Das Prana der Energiezentren wird in das Nadisystem geleitet und kann dann nach ayurvedischer Auffassung in diverse Richtungen fließen. Die Prana-Energie ist dabei mit den fünf Prinzipien von Vata im Körper gleichzusetzen.

Die Qualität des Prana in den Nadis spielt dabei auch eine Rolle.

Behandlung der Nadis

MarmapunktmassageDie Nadis können dem Ayurveda zufolge auf unterschiedliche Weise beeinflusst werden. Dies kann etwa durch Ölbehandlungen oder Massagen geschehen. Neben der direkten Stimulation der einzelnen Nadis können diese auch im Zuge einer Ayurvedabehandlung mitstimuliert werden.

Von Bedeutung sind die Nadis vor allem für die Vitalpunktmassage. Viele der Energiebahnen durchlaufen Marmapunkte und werden bei deren Stimulation meist auch angeregt. (1)

Zudem behandelt der Ayurveda die Energiebahnen durch gezielte Massagen oder Ölstauseen mit bestimmten Massageölen.


Quellenverzeichnis

  1. Neuhäusser, Natalie (2006): Ayurvedische Massagen – Handbuch der Öl- und Massageanwendungen des Ayurveda, Lumière Verlag, Waiblingen, S. 74ff.
RR

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